20150317

"Und mein Vater? Über den will ich nicht reden, ich erwarte nichts mehr!" -Sido

Das schlimmste Gefühl ist, wenn du selbst nicht weißt, was los ist. Wenn du dir selbst nicht erklären kannst, warum du traurig bist. Wenn der Schmerz sich in dein Herz hineinfrisst und du nicht einmal weißt, was dich so verletzt. Wenn du jeden von dir stößt, egal, wie sehr du ihn liebst. Und dir geht so unglaublich viel durch den Kopf, doch eigentlich auch wieder gar nichts. Du denkst stundenlang nach, doch weißt weder worüber, noch kommst du zu irgendeinem Schluss.

Du hast so unglaublich viele Menschen verloren in deinem Leben und jeder einzelne hat ein riesiges Loch in dein Herz und in dein Leben gerissen. Und bei jedem Menschen, der in dein Leben tritt, denkst du von vornherein, dass du es nicht schaffen wirst, ihn bei dir zu halten. Du hast es bis jetzt noch nie geschafft, noch nicht mal deinen Vater konntest du in deinem Leben halten. Weder als du klein warst, noch vor über zwei Jahren. Nicht mal für deinen eigenen Vater warst du gut genug. Du hast mich verlassen, nicht erst einmal. Und trotzdem frage ich mich jeden Tag, wo du gerade bist. Ich frage mich jeden Tag, ob du überhaupt mal an mich gedacht hast, ob du auch nur einen Tag darüber nachgedacht hast, bei mir zu bleiben und ob dann nicht vielleicht jetzt alles besser wäre. Hast du dich jemals gefragt, wie es mir geht? Wo ich gerade bin? Hast du dich nur einmal gefragt, wer gerade bei mir ist und ob ich glücklich bin? Du solltest bei mir sein, du solltest jeden einzelnen, der auch nur in meine Nähe kommt, mit prüfendem Blick ansehen und du solltest auf mich aufpassen, damit mich niemand verletzt. Stattdessen bist du derjenige, der mich am meisten verletzt. Jeden Tag aufs Neue. Denn jeden Tag hoffe ich insgeheim, dass du dich meldest, dass ich irgendetwas von dir höre. Und jeden Tag werde ich wieder enttäuscht, denn es kommt nichts, einfach nichts. Und egal, wie oft ich sage, dass es mir egal ist, dass du mir egal bist.. es stimmt doch nicht. Ich belüge mich nur selbst. Denn eigentlich wünsche ich mir nichts mehr, als dass du irgendwann vor mir stehst und mir sagst, dass du mich vermisst hast und dass es dir leid tut und dass du alles wieder gut machen möchtest. Zwar weiß ich, dass viel zu viel passiert ist, als dass du es je wieder gut machen könntest, und ich könnte dir wahrscheinlich niemals verzeihen, was du mir angetan hast. Doch ich möchte wissen, dass ich dir nicht egal bin und dass es dich interessiert, wie es mir geht und was ich mache. Stattdessen weiß ich, dass du mit meiner Zukunftsplanung niemals einverstanden wärest und das auch niemals gut heißen würdest. Denn schließlich würde ich zu denen gehören, vor denen du täglich fliehst... Und genauso gehörst du zu denen, vor denen ich immer geflohen bin und vor denen mich meine Mutter immer gewarnt hat.